Dreimal täglich eine? Pillen zur Penisvergrößerung

Die Frage nach der richtigen Größe ist schwer zu beantworten, auch wenn sie, wohl seit Anbeginn der menschlichen Zivilisation, immer wieder gestellt wird. Ist ein großer Penis Garant für ein erfülltes Sex-Leben? Ist ein kleiner Penis der schlüssige Beweis für einen „kleinen“ Mann? Und wie groß ist groß überhaupt und wann ist „er“ wirklich klein? Das Thema Penislänge ist von subjektiven Eindrücken bestimmt und die überwiegende Mehrheit der Männer, die unter einem zu kleinen Penis leiden, leiden unter ihrer subjektiven Wahrnehmung. Auch wenn die Zahl der so Betroffenen, zahlreichen Studien zufolge, groß ist, ist der Leidensdruck nur bei den wenigsten so stark, dass der Weg zum Spezialisten angetreten oder gar operative Maßnahmen in Betracht gezogen werden. Da kommt das vielfältige Angebot, insbesondere aus den unendlichen Weiten des Internets, sehr gelegen – kaum ein Tag vergeht, an dem nicht das eine oder andere Angebot in den virtuellen Briefkasten flattert: die regelmäßige Einnahme einer einfachen Pille verspricht ein messbares Peniswachstum, ohne Schmerzen und Einschränkungen, ohne Nebenwirkungen, zu überschaubarem Preis. Eine scheinbar zeitgemäße Methode: Problem – Pille – Lösung. Ein genauerer Blick auf das, was da mit markigen Versprechen angeboten wird, nährt jedoch eine gesunde Skepsis gegenüber zu erwartenden Erfolgen und sollte nicht zuletzt die Augen auch für Risiken öffnen.

Medikament vs. Nahrungsergänzungsmittel

Immer mehr Männer greifen nach Pillen zur Penisvergrößerung. Dabei ist die Wirkung fast immer gleich Null.

Immer mehr Männer greifen nach Pillen zur Penisvergrößerung. Dabei ist die Wirkung fast immer gleich Null.

Medikamente, rezeptpflichtig oder frei verkäuflich, genießen einen weitgehend guten Ruf. Ein Patient geht davon aus, dass bei einem Medikament auch eine Wirkung, im Idealfall die versprochene, zu erwarten ist. Dies ist letztlich wohl der Grund dafür, dass Pillen zur Penisvergrößerung von vielen der zahllosen Anbieter, im Stil von Medikamenten beworben werden. Dabei sollte eines jedem, der zur Pillendose greift, bewusst sein: er ist kein Patient, sondern Verbraucher und die vielversprechenden Pillen sind keine Medikamente, sondern Nahrungsergänzungsmittel.

Nahrungsergänzungsmittel, vielen bekannt als Pillen, Pulver und Brausetabletten aus dem Drogeriemarkt, sind formal betrachtet Lebensmittel und unterliegen somit dem Lebens- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB). Sie müssen sicher sein, dürfen mit verbundenen Angaben den Verbraucher nicht bewusst täuschen und dürfen nicht werbend in Verbindung mit einer zu behandelnden Krankheit gebracht werden. Im Gegenzug werden Nahrungsergänzungsmittel, als Lebensmittel, keinem Zulassungsverfahren unterzogen, wie man es von Medikamenten kennt. Hersteller und Vertreiber tragen die Verantwortung für die Einhaltung dieser Vorschriften und die Sicherheit der Präparate. Eine Kontrolle erfolgt stichprobenartig durch die Lebensmittelüberwachung der Bundesländer.

Was ist drin, im Wundercocktail?

Wer sich die Mühe macht, den Versprechungen der zahllosen Angebote nicht blind zu vertrauen und zumindest interessiert ist, was genau er denn mit so einer Wunderpille zu sich nehmen soll, wird schnell verzweifeln. „100% natürliche Inhaltsstoffe“ ist eine der gängigsten Formulierungen, wenn es darum geht, zu klären, welche Substanzen eine Penisverlängerung erzeugen sollen. Der Hinweis, dass es sich bei der Zusammensetzung um ein gut gehütetes “Geheimnis“ handelt, verschleiert im gleichen Maße, wie es Hoffnung wecken soll. Häufig ist von Kräutern und anderen Naturprodukten die Rede: Erd-Burzeldorn, Gartenkürbis, Süßholz sind nur einige der Zutaten, die Vertrauen in die Wirkkraft der Natur wecken sollen.

Lysin

Einer der häufiger anzutreffenden Wirkstoffe ist die Aminosäure Lysin. Durch seine Verwendung in Kombination mit klassischen Schmerzmitteln ist Lysin aus dem Bereich der frei verkäuflichen Arzneimittel bekannt. Es wirkt als Wirkbeschleuniger der somit nur die Rolle eines Hilfsmittel erfüllt. Als essentielle Aminosäure kommt Lysin in zahlreichen Lebensmitteln in unterschiedlicher Konzentration vor und ist für den Menschen ein unverzichtbarer Nahrungsbestandteil.

Arginin

Ebenfalls in Präparaten zur Penisverlängerung gebräuchlich ist Arginin. Wie Lysin handelt es sich auch bei Arginin um eine Aminosäure, die zum einen vom menschlichen Körper eigenständig gebildet, zum anderen über die Nahrung zugeführt wird. Arginin wird auch im Rahmen einer diätischen Ernährung eingesetzt und soll hier der Durchblutungsförderung und Bereitstellung von Stickoxid dienen und bei erektiler Dysfunktion helfen. Eine Wirkung gilt bisher jedoch nicht als wissenschaftlich nachweisbar.

Viel mehr lässt sich über die Inhaltsstoffe meist nicht sagen. Betont wird jedoch immer wieder die absolute Unbedenklichkeit der Präparate.

Große Hoffnung und Kleingedrucktes

Wie die genannten Inhaltsstoffe eine konkrete Penisverlängerung verursachen sollen, wird von den Herstellern nicht im Detail beschrieben. Wenig verwunderlich, da diese auch nicht nachweisbar ist. Einzig dem genannten Arginin ist eine Wirkung zuzuschreiben, die den Verdacht einer tatsächlichen Penisverlängerung nahelegt. Bei genauer Überprüfung zeigt sich jedoch, dass Arginin maximal die Durchblutung der Geschlechtsteile fördert und so den Penis dicker und damit größer wirken lassen könnte. Von einer Verlängerung kann also nicht die Rede sein und alle möglichen Effekte sind zudem nicht dauerhaft und nicht annähernd so atemberaubend, wie in großen Überschriften versprochen.

Nicht umsonst findet man, trotz wiederkehrender Verwendung des Wortes „Garantie“, auf fast allen Internetseiten, die Pillen zur Penisverlängerung anbieten, bei genauerem Hinsehen rechtsverbindliche Erklärungen, die eine Haftung für eine Wirksamkeit des Präparates ausschließen.

Natürlich ungefährlich – ungefährlich, natürlich

Kräuter, Wurzeln, Vitamine, Mineralstoffe – selbst wenn kein messbares Peniswachstum zu erzielen ist, schaden kann ein so reichhaltiger Cocktail aus natürlichen Inhaltsstoffen ja nicht. Oder etwa doch? Auch hier mangelt es an wissenschaftlichen Nachweisen, einige Warnungen sollten jedoch beachtet werden. Bei jedem Medikament ist es so zum Beispiel üblich, die individuellen Voraussetzungen des Patienten einzubeziehen: liegen zum Beispiel Erkrankungen oder Unverträglichkeiten vor, die beachtet werden sollten oder werden bereits Medikamente eingenommen, mit denen es zu Wechselwirkungen kommen könnte? Abgesehen davon, dass diese in Verbindung mit den Inhaltsstoffen eines Mittels zur Penisverlängerung nicht erforscht sein müssen und die genauen Bestandteile meist nur dem Hersteller bekannt sind, wird sich diese Frage, im Vertrauen auf die Unbedenklichkeit, oft nicht gestellt. Außerdem verleitet die Annahme, es handele sich ja nur um ungefährliche Zutaten, den einen oder anderen Anwender vielleicht zu einer Überdosierung. Werden viele Stoffe wie Vitamine vom Körper bei Überdosierung schlicht ausgeschieden, stehen andere doch im Verdacht durchaus schaden zu können. Gerade bei den meist nicht detailliert benannten Kräutermischungen sprechen einige Wissenschaftler offen von einer möglichen Schädigung zum Beispiel der Leber. Kräuter bergen zudem immer das Risiko der Pestizidbelastung, die ebenfalls schwerwiegende Konsequenzen für innere Organe haben kann.

Kurzum: die Annahme, man könne mit einer Pille zur Penisverlängerung grundsätzlich nichts falsch machen, ist kurzsichtig. Zudem sollten Versprechungen der Anbieter nicht nur bezüglich der Wirkung kritisch betrachtet werden, erst recht dann, wenn Zweifel an der Seriosität des Anbieters berechtigt erscheinen. Ebenso vorschnell wäre jedoch der Schluss, eine Penisverlängerung sei prinzipiell unmöglich und Betroffene damit hilflos der Laune der Natur unterworfen. So kann der Einsatz eines Penisstreckers, im Gegensatz zu fragwürdigen Wirkstoffen, einen nachweisbaren Effekt auf die Penislänge erzielen.

Ihr Penis in fremden Händen

Es liegt in der Natur der Sache, dass Präparate zur Penisverlängerung selten im Geschäft an der Ecke oder gar in Drogerie oder Apotheke angeboten oder gekauft werden. So groß wie die Scham ob der eigenen, so empfundenen Unzulänglichkeit in Sachen Penislänge, so groß auch die Zurückhaltung den Wunsch nach Abhilfe öffentlich zu äußern. Die mit Abstand beliebteste Bezugsquelle für Pillen zur Penisverlängerung ist folglich das Internet und hier der Online-Versandhandel. Landesgrenzen spielen hier keine Rolle. Die Seriosität eines Anbieters, insbesondere eines solchen aus dem Ausland, ist hier schwer zu überprüfen. Inwiefern die Angaben zu Inhaltsstoffen den tatsächlichen Zutaten entsprechen und ob die Qualität der verwendeten Stoff völlig unbedenklich ist, ist für den einfachen Konsumenten fast unmöglich zu überprüfen. Selbst wenn Nahrungsergänzungsmittel genannten Auflagen unterliegen, ist deren Einhaltung, gerade bei ausländischen Produkten, schwer nachzuvollziehen. Zudem sind Produkte oft schon länger im Umlauf, bevor konkrete Schadensfälle zu einer Beanstandung und genaueren Überprüfung führen.

Vom individuellen Schaden abgesehen, sind gerade bei ausländischen Anbietern Ansprüche nur schwer durchzusetzen. Wenn es dabei „nur“ um eine ausbleibende Wirkung geht, soweit diese nicht schon pauschal durch Geschäftsbedingungen in Frage gestellt wird, steht der Preis des Produktes selten in einem Verhältnis, das ein Vorgehen rechtfertigen würde.

Der Leidensdruck dem sich betroffene Männer ausgesetzt sehen, sei er objektiv berechtigt oder nicht, ist eine große Motivation. Im Falle von Präparaten zur Penisverlängerung geht dies mit der Bereitschaft einher, für vielversprechende Angebote auch größere Summen auszugeben. Entsprechend werden die Verdienstmöglichkeiten von Anbietern eingeschätzt, was sich nicht nur in ihrer Zahl, sondern auch in den zum Teil ansehnlichen Preisen ausdrückt. Scherzhaft wird hier oft angemerkt, eine Vergrößerung ließe sich hauptsächlich an den Brieftaschen der Anbieter feststellen.

Fazit

Größte Versprechungen, kleinste Wirkung. Auf den Punkt gebracht konnte bisher in keinem Fall unabhängig eine konkrete und andauernde Penisverlängerung, in Folge der Einnahme frei erhältlicher Pillen zur Penisverlängerung, nachgewiesen werden. Ein vor allen Dingen subjektiv von Anwendern bestätigter Effekt basiert vermutlich einzig auf einer gesteigerten Durchblutung des Penis, ist damit nicht von Dauer und auf keinen Fall als Verlängerung zu betrachten. Auch wenn es bisher keine konkreten Berichte über ernste Folgeschäden oder Nebenwirkungen der angebotenen Präparate gibt, sind diese doch nach wissenschaftlicher Meinung nicht auszuschließen, zumal Langzeitwirkungen nur schwer nachträglich verlässlich mit einer Ursache in Verbindung gebracht werden können. Dies gilt besonders dann, wenn Produkte und Bezugsquellen nicht ansatzweise seriös nachzuvollziehen sind. Die Ausgaben für die vielversprechenden Präparate stehen also letztlich in keinem Verhältnis zu deren zu erwartender Wirkung. Wer trotzdem auf der Suche nach Möglichkeiten der Penisverlängerung ist, dabei aber sicher gehen will, sein Geld nicht für letztlich wirkungslose und gesundheitlich zumindest fragwürdige Präparate auszugeben, dem bietet der Penisstrecker eine wirkungsvolle und gesundheitlich unbedenkliche Alternative.

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